Hormontherapie
Wie HRT funktioniert – für feminisierende und maskulinisierende Transition. Mechanismen, Präparate, Monitoring und Vergleiche beider Wege.
Ziel der Therapie
Feminisierende HRT hat zwei zentrale Aufgaben:
Der negative Feedback-Loop
Der Körper reguliert seinen Hormonspiegel über einen ständigen Regelkreis – ähnlich einem Thermostat.
-
1Hypothalamus misst den HormonspiegelDas Gehirn prüft ständig: Wie viel Sexualhormon ist im Blut? Ist der Spiegel niedrig, gibt der Hypothalamus das Signal weiter.
-
2GnRH wird ausgeschüttetGonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ist das Startsignal vom Hypothalamus an die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).
-
3LH und FSH werden freigesetztDie Hypophyse antwortet mit LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH. LH signalisiert den Gonaden: Testosteron produzieren!
-
4Feedback schließt den KreisIst genug Sexualhormon im Blut, meldet das zurück an den Hypothalamus: GnRH-Produktion stoppen. Hohe Östrogenspiegel nutzen genau diesen Mechanismus.
Östrogen-Monotherapie
Ausschließlich Östrogen – kein Antiandrogen. Östrogen muss in ausreichend hoher Dosierung vorliegen, damit der Feedback-Loop Testosteron supprimiert.
Regelmäßiges Monitoring der LH-, FSH- und T-Werte ist bei Monotherapie besonders wichtig.
Kombinationstherapie &
Antiandrogene
Östrogen kombiniert mit einem Antiandrogen – so muss der Östrogenspiegel nicht so hoch sein, um Testosteron zu supprimieren.
Risiken: Erhöhtes Meningeom-Risiko bei höherer Dosierung über längere Zeit. Heute meist niedrig dosiert (2,5–10 mg). Stimmungsveränderungen, Libidoverlust, Prolaktin-Erhöhung möglich.
Vor- und Nachteile im Vergleich
| Monotherapie | Kombinationstherapie | |
|---|---|---|
| T-Suppression | Möglich – nur bei ausreichend hohem E2 | Verlässlicher, auch bei niedrigerem E2 |
| Medikamente | Nur Östrogen | Östrogen + Antiandrogen |
| Risiken | Höheres E2 nötig → leicht erhöhtes Thromboserisiko | CPA: Meningeom-Risiko, Stimmung; Spiro: Kalium |
| Monitoring | LH/FSH/T besonders wichtig | Je nach AA: Prolaktin, Kalium, Leberwerte |
| Kosten GKV | Standard kassenfinanziert | CPA kassenfinanziert; Bicalutamid off-label |
SHBG – das
unterschätzte Protein
SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) bindet Sexualhormone im Blut – gebundene Hormone sind biologisch inaktiv.
Wie wird Östrogen angewendet?
Monitoring – was wird gemessen?
| Wert | Was er zeigt | Zielbereich |
|---|---|---|
| E2 (Estradiol) | Östrogenspiegel | Variiert; Monotherapie oft 200–500 pg/ml |
| Testosteron gesamt | T-Suppression | <50 ng/dl (weiblicher Referenzbereich) |
| Freies Testosteron | Biologisch aktiver T-Anteil | So niedrig wie möglich |
| LH & FSH | Suppression der Gonadenachse | Niedrig = Feedback-Loop greift |
| SHBG | Östrogen-Response der Leber; bindet T | Hoch = gut |
| Prolaktin | Bei CPA: kann erhöht werden | Im Normbereich |
| Leberwerte (ALT, AST) | Belastung der Leber (oral E2) | Im Normbereich |
Empfohlen: alle 3 Monate im ersten Jahr, danach alle 6 Monate.
Was HRT verändert –
und was nicht
Viele Veränderungen brauchen 2–5 Jahre, um sich vollständig zu entwickeln. Brustentwicklung nach 2 Jahren noch nicht abgeschlossen.